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Samstag, 14. April 2018

Club der Konventler

Das  erste Mal, dass ich dich in unserem Stadtbild wahrgenommen habe hat mich ziemlich erschreckt.Du, fast 2 m groß abgemagert bis auf die Knochen ziemlich ungepflegt und irgendwie steht’s einen verhaltenen Blick. Deine Kleidung viel zu So ungefähr drei Größen zu groß aus, was dich irgendwie noch dürrer machte.

Dein Geschäft lag fast neben uns.Das Antiquriat am Dom mit seiner großen Auslage an Kupferstichen. Ich kann bis heute nicht verstehen warum sich Menschen für sowas begeistern können, aber Geschäcker sind ja bekanntlich verschieden. Nebenbei kosten die Dinger ein Vermögen, aber Prada Schuh sind auch nicht günstig.
Irgendwie, durch einen Zufall lernte ich  dich, dann besser kennen.
Opa fand deine alten Bücher immer Klasse und stand abends bei dir im Laden und winkte mich rein.
Puhh, die Luft in diesem engen Raum mit all der Weisheit auf vergilbtem Papier verschlug mir fast den Atem.
Irgendwas lag da noch in der Luft, aber ich war mir nicht sicher, was es war.
Du hast eine Flasche Sekt geöffnet um mit mir auf unser kennenlernen anzustoßen.
Was für eine freundliche Geste.

Wir unterhielten uns sehr lange und ich war wirklich sehr angetan von all deinem Wissen deinen Geschichten und vor allem deiner sanften Freundlichkeit.
Du warst sehr streng gläubig und ich, na eben das ganze Gegenteil.
Dreimal die Woche um 18 Uhr versammelte sich die Gläubigkeit bestehend aus dem Bischof drei Prälaten einem Ehemaligen Schulleiter einem Tuchhändler einem Kapitän  einem kleinen Fellknäul Herr von Scampi und meiner Wenigkeit der Frau Baroness.
Die Aufnahme in die illustre Runde wurde mit Messwein und Vergabe eines Titels zelebriert.
Du warst unser Präsident, aber die Titelvergabe überließen wir unserem lieben Prälat Roland.
Ein Gläubiger Schlem vor dem Herren. Mit einem Riesen großen Herzen unübertrefflicher Intelligenz und dem Humor eines Komikers.

Wir haben meistens heftig diskutiert in unserer Runde, aber es war immer eine schöne Zeit.
Eine Zeit in der wir alle, wenn auch so verschiedenen sehr eng zusammenrückten.
Wir wussten alle, das du unser Präsident nicht mehr lange leben würdest.
Du hattest Darmkrebs einen künstlichen Ausgang und er hat sich ausgebreitet.
Was du uns allen natürlich verschwiegen hast, aber wir ahnten es dennoch.
Du hast uns immer erzählt deine Werte seinen sehr gut und es würde bergauf gehen.
Innerhalb kürzester Zeit habe ich  mein ganzes Herz an dich verloren mein bester Freund für ein Jahr.
Wir haben uns gemeinsam organisiert um dich zu stützen. Der Kapitän hat deinen Laden am laufen gehalten, wenn du im Krankenhaus warst. Konnte dieser nicht, hat der Tuchhändler oder Frau Baroness mit Herrn von Scampi die Schicht übernommen.
Unsere Gläubigen haben mit dir gebetet. Ich habe mich um deine Wohnung und deine Kleidung gekümmert und kam nicht zum Beeten, aber zum Reden.

Dein letztes Weihnachten.
Genau wie der Kapitän alias mein Opa sich jährlich weigert zu kommen hast du es auch getan.
Da ich in der Regel aber nicht locker lasse habt ihr dann Schlussendlich doch eingewilligt zu kommen.
Es war ein ausgesprochen verrückter Abend. Ich habe aufgetischt als gäbe es kein Morgen mehr obwohl mir ziemlich bewusst war, dass du nichts essen würdest.
Gegessen haben wir auch kaum, aber dafür eine Masi Amarone platt gemacht.
Du wolltest unbedingt Peter Hoffmann hören und so saßen wir mit Peter laut singend in unserer Küche und lachten träumten und weinten gemeinsam.

Sommer

Dir ging es überhaupt nicht gut. Ich war mittags noch in der Apotheke um dir Aufbaukost zu besorgen und mir war irgendwie auch klar, dass du sie eh nicht anfassen würdest, aber irgenwas musste ich doch tun um dein sterben aufzuhalten.
Wir haben einen Pflegedienst organisiert der fünf mal am Tag zu dir kam.
Opa hatte den Laden gut im Griff.
Die Gläubigen Beeten fleißig, aber ich könnte mir die Bemerkung der ausbleibenden Wirkung nicht verkneifen. Roland meinte, Frau Baroness verstehen Sie doch..... natürlich Verstand ich, aber ich war einfach außerstande zu Wollen.

Samstag high live im Geschäft.
Mein Telefon klingelte.
„Alexa, magst du zu mir kommen“
Du lagst schon wieder in der Klinik.
Eigentlich hatte ich alles außer Zeit, aber das war Nebensache.
Du warst so fit an diesem Tag.
Wir haben so viel gelacht soviel Spaß gehabt miteinander.
Ich habe dir meine riesige Sonnenbrille auf die Nase gesetzt mich in dein Bett gelegt und wir haben etliche Selfies geschossen.
Dein Stoma Beutel lief zu allem Überfluss auch noch über.
Nach mehrfachem Klingeln und ständigem vertrösten hab ich mir Handschuhe geschnappt und es selbst erledigt.
Frisch gebettet bist du zufrieden eingeschlafen.
Voller Freude habe ich abends dem Konvent berichtet, dass es dir soviel besser ginge.
Drei Tage später hast du uns alle nicht mehr erkannt und warst bereit zum gehen.

Roland ging 10 Monate nach dir.
Ich vermisse euch






Sonntag, 30. Juli 2017

Gott und seine Fallower

Mit 19 begann ich meine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin.
Die Schule war in ihrem ersten Jahr und genoss noch keine staatliche Anerkennung, was sich mit dem Ende der drei Jahre ändern sollte.
So wurden wir also schriftlich in 12 Fälschern anstelle der üblichen 5 geprüft, das teilte man uns leider erst im zweiten Schuljahr mit.
Mal eben ordentlich in den Mist gegriffen Alex.
Die Schule hatte die direkte Anbindung zum Krankenhaus und war natürlich streng katholisch.

Wundert hier bestimmt niemanden, das der Religionsunterricht vom Hauspfarrer gefürhrt wurde.
Ein erz Konservativer Typ der gute alte Herr.

So begab es sich nun in der ersten Unterrichtsstunde, das ich mit dem Kerl nicht auf einen Nenner kam.
Es war ein paar Wochen nach Vaters Beerdigung und ich hatte ein ziemlich übles Erlebnis mit dem Dorfpfarrer auf der selbigen.
Der Sack war noch nicht mit seiner Pappmaschee Kiste gerade mal 5 Minuten im Loch verschwunden, da schrie der Pfarrer schon nach Geld.
Er kam auf mich zu und sagte: also die Leischenhalle müssen sie in einer halben Stunde spätestens geputzt haben und ich benötige noch das Geld für den Leichengräber und die Messe, wenn sie so nett wären.
Da bist de erstmal platt.

Ich könne es ihm aber auch gleich mit dem Schlüssel der Leichenhalle auf dem Beerdigungskaffee reichen.
Is klar, du sack!
Meine Antwort beherrscht kurz und knapp: " viel Spaß beim putzen und die Rechnung bitte an die Erbin." Kaffee gibts keinen. Ich legte dem Herren im Gewand den Schlüssel in die Hand und drehte dem offen Mund den Rücken mit den Worten, ihnen auch noch einen schönen Tag.

Dies nur zur Erklärung, warum meine Grundeinstellung auf solche Herren schön ziemlich borstig war.

Wir beide allerdings hatten ein extrem angespanntes Verhältnis zueinander, weil ich es mir zur Aufgabe machte, alles was er so von sich gab anzuzweifeln und mein Gegenargument klar darzustellen.
So glich der Religionsunterricht eigentlich im ersten Jahr einem Battle, bei dem ich ziemlich unnachgiebig war.

Alles fing an mit seiner ersten Amthandlung als Lehrer.
Er begrüßte die Klasse stellte sich vor und verteilte an jeden ein Blatt.

Da war er wieder!!!
Sexy Jesus mit lockender Mähne und gestutztem Bart.
Aus einem Kreis heraus glotzten mich seine gütigen Augen an und unter ihm stand: " warum liebe ich Jesus?"

 Von ihm ab gingen lauter Pfeile und dort sollten wir die Antworten schreiben.

In mir explodierte in diesem Moment eine ziemliche Bombe, aber ich versuchte nicht das Schnauben anzufangen.
Ich blickte verwundert in die Runde, weil meine 24 Kollegen eifrig drauf los schrieben.
Komplett Verständnislos malte ich dem Qq Modell erst einmal ein paar Hörner auf den Schädel.
Anschließend bekam er wolluminöse Donatella Versage Lippen.
Einen netten Ohrring mit umgedrehtem Kreuz und ein hübsches Clownshüttschen zwischen die Hörner, sie wissen schon so eins mit Blümchen.
Perfekt! Auf dieser Basis lies sich diskutieren.

Es dauerte auch überhaupt nicht lange bis der Untertan des ehemals schönen meine Sitzhaltung bemerkte. Mit verschränkten Armen blinzelte ich ihn ziemlich wütend an.
Als er dann nun endlich neben mir stand und mein reizendes Gemälde entdeckte waren seine Worte doch ziemlich barsch, wenn man immer so von Güte und Barmherzigkeit predigte.

" was soll denn der Mist "
" ist das etwa alles was ihnen dazu einfällt?"

Mögen die Spiele beginnen






Cleveres Marketingkonzept

Wie schaute es denn bei Ihnen so aus?
Sind Sie religiös?
Glauben sie an Jesus?
An Gott?

Ich war mit den beiden ziemlich lange Zeit auf Kriegsfuß.
Denn mal ehrlich wo waren sie denn die beiden Kerle, wenn man sie brauchte ?

Jesus der junge Mann mit dem gütigem Blick. Mit langem welligen Haar einem extrem gut gepflegten Bart.
Gekleidet in einer weißen Tunika aus Leinen mit rotem Tuch um die Schultern.
Ziemlich fecher Bursche. Würde mich nicht wundern, wenn er unter seinem Kittel ein Sixpack versteckt hat. 
Marke ich schmeiß mich dir in die Arme und du machst alles wieder heile.
Er dessen Gestalt in ein warmes weiches Licht getaucht und bei dessen Anblick man die Chöre des Himmels im Klang des Hallelujas vernahm.
Wo war er denn ?

Nicht da !

Wenn sie mich fragen, dann sage ich ihnen der Kerl ist die beste Geschäftsidee ever.
Der kann so alt werden wie er will und der Rubel rollt ungebremst weiter.
Eine wahrlich geniale Erfindung dieser Jesus . Kein Wunder das der so umwerfend sexy ist.
Mit nem hässlichen Kerl hätten sie dieses Marketingkonzept nicht so erfolgreich führen können.

( Notiz an mich:sowas musst du auch an den Start bringen )
Geschäftsfrau eben😁

Fakt ist ich konnte weder Vater noch Sohn in meiner Umgebung ausmachen.

Dann gab es da im Gegensatz zu diesen beiden Herren den aus dem Mittelalter stammenden Sensenmann.
Der Überbringer des Todes.
Ziemlich schaurige Gestalt der alte Herr.
Nicht ganz so im Thema Fashion zu Hause.
Weit schwingender abgeranzter schwarzer Kittel mit mega Kapuze um hässliche Visage zu verstecken, oder an regnerischen Tagen das Haupthaar zu schützen, da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Eines jedoch haben die drei gemeinsam auch er spült Geld in die Kassen, denn wenn er kommt wird es meist teuer. 
Selbst wenn du die billigste Kiste nimmst du Kaffe to go verteilst und künstliche Blumen pflanzt musst du erstmal in die Tasche greifen.
Nur das im Gegensatz zu den beiden obigen Herren tragen hier verschiedene Institutionen und Unternehmen einen Gewinn.


Fakt ist hier Sensenmann kenne ich nur zu gut.
Ich hab wohl irgendwie kein Glück mit Männern.

Die guten sind entweder schwul oder vergeben, oder eine Erfindung der Kirche.

Diesen Gedanken lebte ich jahrelang.

Fortsetzung folgt











Sonntag, 18. Juni 2017

Von kleinen Mädels und großen träumen

Mit 4 Jahren war meine Welt noch völlig in Ordnung.
Eine junge aufstrebende Balletttänzerin mit dem Talent einer Kuh auf dem Eis, aber Mama fand es schön und ich liebte das Spitzenröckchen. 

Meine ganze liebe jedoch steckte in der Musik.
Ich liebte das singen, ok es war eher unmelodisches schreien, aber ich konnte mich damit vollständig in Extase versetzen.
Man musste mir eigentlich nur den Kasettenrecorder auf Play stellen und schon war ich für 30 Minuten völlig mit mir selbst beschäftigt.
Ok, Ruhe hatte man dann nicht wirklich, aber ich war aus den Füßen.

Mit 5 wollte ich Arriell Sängerin werden, ja das Wort war wohl etwas falsch ausgesprochen, aber mein kleiner Kopf wußte genau was dahinter steckte.

In den folgenden Jahren Sang ich mir die Seele aus dem Leib um Kummer und Schmerz irgendwie in den Griff zu bekommen.
Meine Oma hasste mein Singen.
Sie meinte ich hätte beim Balett bleiben sollen.
Ich werde dies nun zum erstenmal offiziell von mir geben!
Oma, du warst eine schreckliche alte Krähe!

Hmmm, das hat gut getan, weiter.

An einem Biss ich mich in all den Jahren jedoch fest und das war der unerschütterliche Wunsch nach der perfekten Stimme.
Einer Stimme die mein Herz berührt meine Seele streichelt.
Einer Stimme die mir das Gefühl des schwebens in einer unendlichen Weite beschert.

Ich weiß ja nicht wie das bei Ihnen ist, aber hatten sie vielleicht schon einmal das Gefühl gehabt, das wenn sie eine Stimme hören ihnen anders wird?
Sie Gänsehaut bekommen und ihr Körper nur noch Wärme und liebe empfindet.
Oder geht das nur mir Gefühlskanone so?

So träumte ich mich also Jahre um Jahre in dem Gedanken des perfekten Duetts mit der perfekten Stimme.

Und eines sage ich ihnen!

Träume können wahr werden♥️

Gegen Ende meines 42 Lebensjahres war es dann soweit.

Ich hatte mich aus Neugier bei einer Gesags App für Karaoke angemeldet und irgendwie dachte ich, ob das wohl funktioniert.
Es funktionierte sogar erstaunlich gut.
Obwohl ich irgendwie nie meine Oma aus dem Kopf bekam, aber irgendwie verdrängte ich giftige Nebelkrähe und sang mir die Seele aus dem Leib.

Ich trällerte Dinge, die ich vorher nie in Erwägung gezogen hätte und besagte Nebellrähe könnte mich mal....

Erinnerung, damit hast du mein lieber Freund zu mir gefunden.

Als ich feststellte, das jemand diesem Lied beigetreten war zog ich meine Kopfhörer an und drückte auf Play.

Mein lieber Freund, was dann geschah war für mich in meinem Herzen reine Magie.
Ich saß still ohne Bewegung ohne spürbaren Atem und fließenden Tränen.
Ich glaube nicht, dass du eine Vorstellung davon hast wie wundervoll dieser erste Moment für mich war.
Wie wundervoll jeder der weiteren.
Jedes deiner Lieder habe ich Mann und Freunden auf die Ohren gelegt
und geschwärmt wie ein kleines verliebtes Mädel.
Ob das verrückt ist?
Ja, für den normalen Menschen vielleicht nicht so nachvollziehbar, aber wenn sie (und du hast ) von Anfang an gelesen haben, dann habe ich Millionen ausreden, warum ich eben anders bin.
Voller unaufhaltsamer Gefühle.

Ein wenig Sorgen hab ich mir ja schon gemacht, dass ich Geschenk Gottes vergraule durch, ne wie kann es eben anders sein😊ich sein eben, aber bis jetzt ist er noch da.

Kann ja nicht jeder so mit meiner Atomladung Gefühl umgehen, aber ich sag Ihnen etwas😊

Er schon und das macht mich sehr froh.

Ich Danke dir mein lieber neuer Freund





Ade Sense Gym bis in 50 Jahren

Man wird ja nun mal nicht jünger, dass haben sie bestimmt auch schon feststellen dürfen.
Man wacht nicht mit einem Finger schnipsen auf und ist mal eben 43.
Schleicht man sich dann morgens so ins Bad, dann kommen beim Blick in den Spiegel schon mal die Gedanken auf " Himmel, wer bist du denn ?"
Wo ist es denn hin, das junge Faltenfreie Gesicht?
Korrekt!
Von der Zeit verschlungen.
Ob mich das stört?
Nö!!!!!
Ich sage ihnen auch warum!
In all den Jahren gelebter Panik und Angst sterben zu müssen erkenne ich mit jeder Falte, das Sense Gym mich immer noch nicht zu fassen bekommen hat, was an für sich ein köstliches Gefühl ist.
Ich hatte mit dem Kerl in meinem Leben ja ziemlich oft Probleme und mich Jahre darum bemüht mich vor seinen schnellen Beinen in Sicherheit zu bringen.
Mittlerweile laufe ich nicht mehr vor Sense Gym davon.
Manchmal sehen wir uns noch, aber wir Strafen uns gegenseitig mit Missachtung.
Ich glaub er ist beleidigt der alte Sense Mann.
Ok, meine Ansage war ihm gegenüber nicht gerade die freundlichste, aber mal ehrlich braucht man so einen Stalker?
Nö!
Ich weiß, das wir uns irgendwann miteinander auseinandersetzen müssen,aber eben jetzt noch nicht.





Sonntag, 19. Juni 2016

Und dann auch noch die Wechseljahre

Und dann auch noch die Wechseljahre

Mit 42 sollte man denken man hätte das Schlimmste hinter sich gelassen und könnte gelassen in die Zukunft blicken, denn schließlich war ich als Kind so etwas wie ein kleiner Held.
Ein Held über den man heute noch stolz sein kann, dass er das alles so gut verkraftet hat.
Die Narben auf der Haut verheilt und die der Seele in Schubladen tiefe Schubladen versteckt.
Zugeschlossen, zugemauert und ungeachtet.

Und plötzlich fängt es an dich einzuholen die Schubladen öffnen sich ohne deinen Willen.
Sie lassen frei, was du so gut versteckt.
Erinnerungen kommen von allen Seiten und vermischen sich mit deiner neuen Zukunft.

Die Heldin, deren Rüstung einst so stark steht unbekleidet mit dem Rücken zur Wand.
Erdrückt von der Vergangenheit.

Die Stimme in deinem Kopf die schreit, du bist im Hier und Jetzt.
Ist ein Halt der nicht länger hält.
Wie eine an Seilen geleitete Puppe läufst du durch den Tag oft ohne selbst die Richtung zu bestimmen.
Anfangs gleicht es einem Kampf in dem du verzweifelt versuchst alles wieder in die richtige Richtung zu setzen.
Du versuchst dich zu beruhigen dir selbst einzureden das es eine Phase ist, aus der du schon wieder rauskommen wirst.

Verstehst nicht welche Richtung dein Leben einschlägt und warum alles so schwierig für dich ist.

Es ist wie der Durchmarsch durch die Trauerphasen.
Du bist schockiert.
Du wirst wütend und zornig.
Willst es einfach nicht wahrhaben.
Du versuchst loszulassen.
Und schließlich endest du in der Akzeptanz.

Die tragische mit Selbstmitleid vermischte schockierende Sicht im Stadium der Erkenntnis.

Ein erfahrener Mann sagte mir also es wären die Wechseljahre die einen so aus dem Gleichgewicht bringen.
Im ersten Moment ein Schock, denn die sollen ja nun bekanntlich länger als fünf Minuten dauern.
Bis zu 15 Jahre!
Lieber Gott, mein armes Umfeld ich appelliere nun schon an eure Geduld. 

Was also tun?

Nun sie könnten den Verlust ihrer sie stabilisierenden Hormone ersetzen, das wiederum gleicht aber auch einem russischen Roulette, denn wenn sie , wie meiner einer Qualmen wie ein Schlot, dann werden diese Jahre keine 15 sein und sie sollten sich Gedanken über Farbe und Ausstattung ihrer Kiste machen.
Ich wäre ja für weiße Seide mit Swarovskisteinen verziert.

Der andere Weg wäre es pflanzliche Hilfsproduckte einzunehmen.
Haben den Vorteil, dass sie weiter dampfen können und die Ausstattung besagter Kiste auch nicht so schnell von Nöten sein wird.
Nachteil: sie benötigen einen starken Glauben um die Wirksamkeit der Natur zu erleben. 
Oder sie versuchen die Sache locker zu sehen, als Phase, was sie letzten Endes auch ist.
Etwas in das sie sich nicht reinsteigern sollten.
Alles wird gut!
Sie sind nicht alleine.

 




Donnerstag, 16. Juni 2016

Hopfen und Malz

Sind wir nun also schlechtere Menschen nur weil wir Angst und Panikattacken haben?
Sind wir deswegen weniger intelligent oder weniger wertvoll als andere Menschen?

Nein!

Hier nur ein paar Beispiele:
Woody Allen

Er schaffte es kaum bei ausgeschaltetem Licht zu schlafen.
Eine Unmenge an Neurosen hat der gute und ist trotzdem ein erfolgreicher Mensch.

Charles Darwin
Der Begründer der Evolutionstheorie  bekam nach seiner langen Forschungsreise schwerste Panikattacken.
Da, und der war wirklich ein schlauer Kerl!

Und Last but not least!
Siegmund Freud
Der Begründer der Psychoanalyse.
Der hatte dass auch!
Ja, sie lesen richtig!
Der Siegmund Freud.
Ob ich das nun gut finden soll, weiß ich nicht, denn irgendwie lässt es den Gang zum Psychologen in einem komischen Licht darstehen.
Irgendwie entzieht es dem ganzen die Hoffnung auf Besserung, wenn man sich seinen Gemütszustand mal näher unter die Lupe nimmt.

Dafür gibt es ja heute zum Glück Psychopharmaka und eine Kombination aus beidem,egal wie fertig der Analysierende selbst ist.

Wer weiß denn schon, was in den Köpfen gegenüber gerade so vor sich geht?
Du erzählst mit schweren Herzen all deine Probleme und er denkt vielleicht darüber nach, ob es am Abend Nudel oder Kartoffelauflauf gibt.
Ich wäre ja für die Nudeln.
Oder er geht gerade den letzten Streit mit seiner Frau durch.
Muss ich meine Socken Abends in die Wäschebütte tragen, oder liegen lassen wie immer?
Wenn sie mich fragen?
Ich wäre für die Bütte!!!!
Vielleicht, aber denkt er auch, da ist Hopfen und Malz verloren.

Fakt ist für mich, das jeder Mensch mit dem Leben so seine Probleme hat.
Der eine mehr, der andere weniger.
Der eine kaschiert sie besser, der andere weniger.
Hopfen und Malz sind erst dann verloren, wenn sie es soweit kommen lassen.




Samstag, 7. Mai 2016

Ich hab Herz,oder ist es doch der Hirnschlag?

Kennen Sie das?

Sie haben ein leichtes stechen in der Brust und schon sagt Ihnen Ihr Kopf!
Achtung Herzinfarkt.
Sie werden unruhig nervös und das erste was sie machen in ihrer Panik!
Sie machen es schlimmer, denn Doktor Google erklärt ihnen genau, dass sie, wenn sie nun nichts unternehmen sterben werden.
Panik und Angstpatienten können sich da unter Umständen schon mal drin verlieren.
So etwas nennt man dann in Fachkreisen
Eine Herzneurose.
Meine begann so mit 15 Jahren.

Noch nicht mal die erste liebe entdeckt, aber schon mal eine Herzneurose.
Wenn sie verstehen wovon ich spreche, dann wissen sie wie schlimm das ist!

Ist so wie Barfuß auf dem Schotterweg dem Sensenmann davon laufen.
Ziemlich schwierig also.

Außerdem und glauben sie mir, denn ich hab da so meine Erfahrungen mit dem Kerl ist der verdammt schnell.

Man kann nun durchaus verstehen, warum Mediziner immer predigen, das man Sport machen soll, denn glauben sie es mir, Kondition hat der!

An Neurosen habe ich einiges im Portfolio.
Ist es also nicht das Herz, dann schreit mein Kopf nach Hirninfarkt und schon wieder steht der schwarze Mann mit grinsen im Gesicht ,Nike Air an den Füßen und schwingender Sense neben mir.

Glauben Sie mir, wenn ich ihnen sage dass jede Kommunikation mit dem Kerl vergebens ist!

Am Sterbebett meiner Mutter habe ich lange einseitige Diskussion mit ihm geführt,aber vergebens.

Ein halbes Jahr Später bei meiner Oma hab ich ihn gefragt, ob das wohl schlechtes Carma wäre, was hier abgeht.

Als es bei meinem Vater  soweit war, habe ich ihn angeschrien warum er nicht schon 19 Jahre früher gekommen wäre.
Hätte er wenigstens einmal was sinnvolles gemacht.

Wieder ein halbes Jahr Später bei meiner anderen Oma fragte ich: sprechen sie eigentlich Deutsch?
Keine Antwort!

Irgendwie verlor ich mich dann in den Gedanken,dass ich der nächste auf seiner Speisekarte bin.

Diese Neurosen und ich weiß, was sie dabei fühlen machen eine heiden Angst, aber in all den Jahren der Angst und der immer wiederkehrenden Abwechslung zwischen Hirn ,Herz , Magen , Darm und Niere habe ich eines gelernt!
Aufgeben ist nicht die Lösung!
Was also hat mir geholfen?

Durch meine bezaubernde Freundin Ju, die kennen sie ja nun schon habe ich angefangen zu laufen.
O. k. am Anfang war das eher Hyperventilierendes  schnelles gehen, aber mit der Zeit joggte ich schon konstant 2 Minuten, ohne das Gefühl zu haben dabei zu ersticken.
Der Abstand zwischen Sense Nike und mir wurde mit der Zeit immer größer!
Es gab mir ein neues Gefühl der Sicherheit, dass ich dem Kerl doch noch davonlaufen konnte.

Auch mein Berufswechsel , war eine wichtige Entscheidung, denn als Altenpflegerin und Sterbebegleiterin, war ich fast schon ne Kollegin von dem Typ.
Ich bereitete das Menü vor und er nahms mit!
Es gab sogar Tage an denen er all you can eat hatte.
Meistens im November.
Da war die Sterberate besonders hoch!

Nun aber genug vom Sterben,
denn hier soll's ja ums Leben gehen und wie wir es am besten genießen.

Versuchen Sie sich ihrem Partner oder Freunden mitzuteilen, auch wenn sie hier und da mal einen komischen Blick ernten werden ,stirbt es sich während ihre Nerose aktiv ist, besser zu zweit als alleine.
Werden Sie fit und erweitern sie den Abstand!
Akzeptieren Sie Ihre kleinen Verrücktheiten und versuchen Sie ihr Leben zu genießen.
Wissen Sie ich bin ja bestimmt schon 10.000 mal gestorben, aber Hoffnung sollte doch machen ,dass ich diesen Text immer noch schreiben konnte!




  








Donnerstag, 5. Mai 2016

Cat Women

Wie sie ja nun schon wissen hatte ich in meinem Leben schon unzählige Kontakte zu Psychologen, oder solchen die sich dafür halten wollten.

Hier und da muss ich zugeben habe ich schon einmal etwas brauchbares aufgeschnappt.

So riet mir einer der vielen in Stress und Angstsituationen zum Überwurf eines Tarnmantels .
In früher Kindheit, brauchte ich mein Outfit ziemlich häufig.

So schlüpfte ich fast täglich in mein grünes Hulk Kostüm und fühlte mich wenigstens ein bisschen abgepolstert.
Als Teeny wurde ich über Nacht zu Supergirl, nur mit dem Fliegen hatte ich so meine Probleme und das ist heute auch noch so, aber das wissen Sie ja schon.

Mit 30 wurde ich dann zu Cat Woman.
Sie wissen schon diese in enges Latex gehüllte traumhaft schlanke und perfekt gestylte Sexbombe.
Ok, es gab ein paar Abweichungen zwischen Cat Women real und meiner Wenigkeit.
So um die 20 kg.
In engem Latex war ich eher so die marke Wassermelone im Kondom.
Dafür brauchte ich aber keinen Silikon.
Hätte aber liebend gern ne Brustverkleinerung.Haben sie eigentlich auch verschieden große Brüste?
Also meine linke ist die Herrscherin meines Brustkorbes.
Sie bestimmt die BH Größe und lässt die Rechte verschwindend gering aussehen.
Arme Rechte Titte.
Können Brüste eigentlich Depression bekommen?
Also meine hätten einen Grund dazu.
Hat sich ja keiner selbst gemacht!
Sie ja auch nicht.

Zumindest versuchte ich bei der morgendlichen Gesichtsrestauration  und dem ondulierten Haar alles zu geben. 
Eines Tages trat dann Tante Ju in mein Leben.
Und mit ihr verwandelte sich Übergewichtige langhaarige extrem schicke blonde Katze in Nena.
Kurze dunkle Haare .
Gewichtsunterschied -6 kg
Immer noch zu große Linke Titte .
Von sexy Rubensgöttin in sportliche jugendliche immer noch nicht vollständig erschklankte  und das in 9 Monaten.
So ganz sitzt das Kostüm noch nicht, aber Hulk war in früher Jugend ja auch ein Prozess.

Ohne mein Kostüm und damit meine ich eigentlich im heutigen Alter, dass ich nicht ungeduscht und ungeschminkt in ranzigem Outfit über die Straße laufe,denn dann fühle ich mich einfach unsicher.


Ich bin mir sicher sie kennen das auch.




.




Montag, 2. Mai 2016

Verrückt aber charmant

Verrück aber Charmant 


Wer weiß denn wie ich geworden wäre, wenn ich das alles nicht erlebt hätte!
Behütet und beschützt in einer normalen Familie aufgewachsen, heute noch an Muttis Brust liegend und Vater fragen, wenn das Geld ausgeht.
Hätte so sein können!
Mittelmäßige Schulausbildung.Übernahme des elterlichen Betriebes.
Heirat ,Kinder ,Hunde und Pflege der Eltern ,wenn sie alt sind.
Hätte so sein können!

Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich neidisch andere Familien beobachte.
Es nicht verstehen kann, wie es zu einem solch normalen harmonischen Verhältnis kommen kann.
Warte dann immer geduldig darauf, dass der Familienvater Amok läuft und erst die Mutter Abschlachtet und dann die Töchter.
Bisher muss ich jedoch sagen, dass es nie zu einem solchen Erlebnis gekommen ist.
Vielleicht hinter verschlossenen Türen, wer weiß und die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Verwunderlich finde ich es auch, wie manche Menschen ihr Leben so leben, ohne Angst.
Heulen sie vielleicht leise unter der Bettdecke, oder ist es nur die Kühlschrank Fassade die ich wahrnehme?

Etwas unterscheidet mich von Ihnen!

Das ist mir in den vielen Jahren sehr bewusst geworden.
Vielleicht ist es auch meine psychiatrische Karriere die ich aufs Parkett gelegt habe.
Unter dem Motto früh übt sich,wer im Alter sehr verrückt sein will.
Immerhin habe ich es aber geschafft, auf eine ziemlich charmante Weise verrückt zu sein.
Was mein Umfeld jedoch nicht minder in den Wahnsinn treibt.

Man nehme einen simplen Flug im Flugzeug !
Während, ich nenne sie einfach mal  "die Anderen"  ruhig oder auch teilweise verkrampft mit dem Flieger gehn Himmel steigen, sitzt meiner einer heulend auf dem Sitzplatz und trällert " alle meine Entchen" in einer von Panik durchzogenen Stimmlage!
Beim Bohlen wäre ich direkt mal raus aus der Nummer, aber der sitzt ja auch nicht in der Holzklasse nach Mallorca mit 12 Kegelclubs an Bord.

Das finden "die Anderen" dann immer äußerst lustig.
Während ich also so damit beschäftigt bin mit dem Flieger in Sitzreihe 2 Platz 4c nicht abzustürzen  fliegt Reihe 1-46 der lockeren Fassaden Menschen fröhlich nach Malle.

Manchmal gibt's auch Geschenke von kleinen Kindern. 
Der guten abend gute Nacht singende aufzieh Affe ,war das absolute Highlight meiner Flüge.
Zur Landung musste ich ihn dann leider jedoch wieder hergeben.

All das verschafft mir natürlich einen hohen wieder Erkennungswert.
Der Pilot muss eigentlich nur aufs Gas gehen und schon schwimmen die Entchen panisch durch den See.

Es gab sogar Zeiten, als diese Panik noch einen besonderen Nebeneffekt hatte.
Selten flog ich, ohne dem Kapitän der Maschine die Hand zu schütteln.
Es gab immer eine mitleidige Flugbegleiterin an Bord die mich dem Kapitän vorstellen wollte.
Da ich schon immer auf uniformierter Männer stand, versuchte ich die Entlein zu ersaufen und freute mich auf zwei Männer mit Streifen und Mütze.
So begab es sich auf dem Flug Gran Canaria-Düsseldorf, dass ich schmusend mit dem Piloten durch die Wolken glitt während der andere schön brav draußen in der Bordküche sein Kaffee genoss.

Wären da nur nicht meine Blähungen gewesen.

Eines meiner weiteren Special Effekts beim Fliegen.
Ich versuchte die Pupse so leise durch den Popo zu drücken, wie es nur ging. Räusperte mich häufig um eventuelle quietsch Töne zu überspielen und betete inständig, dass sie nicht stinken.
Meine leicht verkrampfte Sitzhaltung merkte mir der Schönling zum Glück nicht an.
Nach dem zehnten Toilettengang, um mal ordentlich Dampf abzublasen, schaute er jedoch etwas irritiert.
Ich schob es auf eine Blasenentzündung, denn wer diskutiert schon gerne beim ersten Gefummel über den Wolken über Fürze .
Mal ehrlich, das würden sie auch nicht machen!
Wer aber nun denkt o. k. Angst vorm Fliegen gibt es ja öfter, der hat weit gefehlt.
Die Liste meiner Ängste ist eigentlich so lang wie meine Körpergröße in Zentimetern.
Hatte ich eigentlich erwähnt das ich groß bin?

178 cm

Ach,und die kg meines Körpergewichtes nicht zu vergessen !

69,6 ( Errungenschaft nach Darminfektion)
Damit können sie fast 5 Stück wieder streichen, der ängste versteht sich.

Tja verrückt bin ich schon, aber auf eine charmante Art und Weise, dass sagen zumindest meine Freunde😀















Dienstag, 24. November 2015

Weihnachten im Irrenhaus


Die Klinik lag umringt von Bäumen mitten im Wald.
Es war der 22 Dezember und einige Patienten durften über Weihnachten zu den noch vorhandenen Familien.
Dort wo es eben noch Aussicht auf Familie gab. 
Der Rest von uns bastelte den ganzen Tag um den Schmuck für unseren Weihnachtsbaum fertig zu bekommen.
Es wurden Rezepte zusammen getragen und Entscheidungen über die Auswahl der zu backenden Plätzchen getroffen. Ich wollte Nussmarkronen.
Unsere Gruppe, von zwölf Christkindern wurde in zweigeteilt. Die eine Hälfte sollte am nächsten Tag den Baum schmücken und die andere kümmerte sich um das Backen der Plätzchen. Am Morgen des 23. hatte der Schnee die Bäume verzuckert und es fühlt sich wirklich an wie Weihnachten.
Wir bereiten das Frühstück zu gingen anschließend unseren Aufgaben nach.
Ich war in der Backtruppe.
Freude, denn ich war nicht alleiniger Liebhaber der Nussmarkronen.
Als die erste Ladung im Ofen langsam aufging,  war es ein wunderschönes Gefühl von Weihnachten. Der Duft zog durch das ganze Haus. Leise im Hintergrund gespielte Weihnachtsmusik und mittendrin Kinder, die nicht den Hauch von Traurigkeit verspürten.Man konnte es fühlen, dass es für sie, das erste ehrlich schöne Weihnachten war. Am Morgen des 24. gingen wir alle zusammen nach dem Frühstück auf zu einem langen Winterspaziergang im Schnee.
Am nachmittag bekamen wir Tee und Plätzchen.
In unserer kleinen Runde schauten wir uns dazu einen Märchen Film an.
Der Abend wurde gekrönt von einem guten Essen gemeinsamen Weihnachtsliedern und Gedichten.
Wir alle bekamen an diesem Weihnachtsfest das gleiche Geschenk.
Eines, das uns alle glücklich machte.
Ein Fest in Frieden und ohne Angst.

Sonntag, 23. August 2015

Gemeinsam besser als einsam

Irgendwie waren wir alle auf unsere besondere Art und Weise eine coole durchgeknallte Truppe.
Auch wenn es mir anfangs sehr schwer fiel dieses Leid zu ertragen.
Mich an die Schicksale der einzelnen heran zu tasten, um dann aber festzustellen ,dass geteiltes Leid ein leichteres ist.

Nehmen wir Emma:
14 Jahre alt und mitten in der Pubertät.
Schneeweiße lange Haare.
Ihre Idee und die daraus folgende Umsetzung ließ uns wirklich tagelang lachen.
Wer kennt sie nicht die Tönungscreme der Marke L'Oreal aus dem Supermarktregal.
Natürlich weiß man mit 14 noch nicht ,dass man aus weißem Haar keine Kastanienfarbe zaubert.
Schon gar nicht mit einer Tönungscreme.
Nun, das Ergebnis was soll ich sagen,es war zartes rosa.

Da hätten wir da noch den Bernd:
15 Jahre alt.
1.60 Groß mit 89 kg.
Im Kochunterricht war er der Held.
Er war der Nimmersatt.
Kochte man für vier und hatte Bernd in seiner Truppe musste man für fünf kochen,denn schon während der Zubereitung stopfte er alles mögliche in sich hinein.
Selbst die Handvoll getrocknete Chilis die ich ihm während des kochens reichte waren nicht sicher vor ihm.
Nun, was soll ich sagen! 
Sie bekamen ihm nicht besonders gut.

Dann war da noch Sabine:
15 Jahre alt und Raucher .
Genau wie ich!
Das Rauchen unter 16 war uns nicht erlaubt.
Also waren wir beide ständig auf der Flucht vor den Augen des Personals.
Was uns natürlich nicht immer gelang.
Es gab immer fürchterliche Strafarbeiten.
Ich glaube wir haben dieses ganze Haus von oben bis unten schon ganz geputzt.
Jede Schublade ausgeräumt und ausgewaschen und wieder eingeräumt.
Jedoch hinderte uns das nicht daran weiter zu rauchen.
Einmal bekamen wir zwei große Müllsäcke in die Hand gedrückt und mussten in den Wald laufen um Müll zu sammeln.
Dumm war ich wohl nicht.
Es gab eine Rehaklinik 1 km weiter den Berg hoch.
Mit einem schönen Kaffee und einer großen Terrasse.
Wir bestellten uns zwei Tassen Kakao und einen Aschenbecher.
Es war ein herrlicher Nachmittag und die Glimmstängel qualmten wie noch nie.
Hinter der Klinik gelegen waren die großen Müllcontainer.
Die Tüten waren relativ schnell voll !
Unser Erzieher fand es höchst merkwürdig was alles so im Wald herum lag.
Da waren Teebeutel ( Fencheltee ),
Joghurtbecher, Zeitschriften, Shampoo Flaschen, Katheterbeutel, Verbandsmaterial......
Nun denn, die Fenster waren auch schon lange nicht mehr geputzt worden!


A new home

Mitten im Wald gelegen, stand dieses große Haus umgeben von Bäumen, dass nun mein neues zu Hause werden sollte.
Vor der Tür spielten ein paar Kinder mit einem Ball.
Andere wiederum saßen auf Bänken und redeten miteinander.
Am Hauseingang stand eine freundlich lächelnde Frau mit langem rot gelocktem Haar.
Sie legt den Arm um mich.
Begrüßte mich und begleitete mich hinein.
Sie zeigte mir mein Zimmer, welches ein Zweibettzimmer war, dass ich mit einem jungen Mädchen teilen sollte.
Da saß sie auf dem Bett .
Carolin sechs Jahre alt mit einem Helm auf dem Kopf.
Es war als würde sie mich überhaupt nicht wahrnehmen.
Sie saß auf ihrem Bett wippte leicht nach vorne und nach hinten und starrte die Wand an.
Wir wurden einander vorgestellt, aber Carolin zeigte keine Regung.
Ich fragte mich nur,warum Sie diesen albernen Helm auf dem Kopf hatte.
Sie sah aus als würde sie jeden Moment zum nächsten Formel 1 rennen antreten.
Die Dame mit den langen locken zeigte mir das Haus.
Zwei Etagen. Einmal der offene Bereich und dann gab es noch den geschlossenen Bereich, für die besonders hilflosen Menschen.
Es gab einen großen Speisesaal .
Eine Küche in der wir die Speisen selbst zubereiteten.
Ein  Klassenzimmer, aber auch einen Fernsehraum.
Der Geschlossenenbereich wurde mir nicht gezeigt, aber an manchen Minuten des Tages versuchte man zu erahnen was dort oben los war.
Es gab laute Schreie und lautes Gebrüll.
Man versuchte einfach so gut es ging nicht darüber nachzudenken was auf Etage zwei los war und konzentrierte sich auf sich selbst.

Es dauerte nicht sehr lange und ich fand raus, dass Carolin keine Formel 1 Fahrerin war.
Der Helm diente einzig und allein ihrem Schutz.
Oft und besonders nachts bekam sie Wutanfälle und stieß sich immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand.
Jede Beruhigung meinerseits war sinnlos.
So ein junges Mädchen kaum sechs Jahre und so verzweifelt.
Meistens wurde ihr unter starkem Protest etwas gespritzt und sie kam dann endlich zur Ruhe.

So viele Schicksale waren unter diesem Dach vereint.

Eine vierjährige .
Ein wirklich aufgewecktes liebes kleines Mädchen.
Sie trug eine lange Narbe am Kopf, weil ihr Vater sie dort mit einem Messer verletzt.
" Papa aua macht"
Ein 14-jähriger Junge mit einer langen Narbe am Hals, weil er sich die Halsschlagader durchschneiden wollte.
Eine 13-jährige übersäht mit Narben, weil sie sich ständig selbst schmerzt zufügte um ihr Leben zu ertragen.
Ein 9-jähriger der einfach nicht sprechen wollte.
( bunter Socken Mann, du fehlst !)











Sonntag, 21. Juni 2015

Der bunte Socken Mann 6.3

Vielleicht war es Gottes Fügung, dass ich genau diesem Arzt begegnen musste.
Obwohl ich in meiner Situation den göttlichen glauben gänzlich verloren hatte.
So war ich dennoch dankbar für seine Geduld, sein Verständnis, und vor allen Dingen dankbar, dass er meine Situation im vollen Umfang erkannte.
Er ließ sich nicht beeindrucken von Vaters Gerede.
Ließ sich das Familienglück nicht als das verkaufen,für das mein Vater es ausgab.
Ich habe in diesem Krankenhausaufenthalt so unheimlich viel Zeit mit diesen Menschen verbracht.
Er war der Chefarzt der Station 11.
Der Mann,der mit langen Haaren wehendem Kittel und bunten Socken über die Station lief.
Damals durfte noch geraucht werden im Krankenhaus und oft lud er mich auf eine Zigarette in sein Büro ein.
Wir rauchten,quatschten und tranken Kaffee.
Er war der Held meiner Kindheit, aber wie das mit den Helden so ist, sie müssen weiter ziehen um anderen zu helfen.
Er sorgte dafür,dass ich in eine Kinder und Jugend Psychatrie eingewiesen wurde. Ein guter Platz wie er mir versprach und ich glaubte ihm.
Er versprach mir,dass er mich besuchen kommen würde,aber leider hat er die Zeit dafür nicht gefunden.
Fest steht für mich jedoch auch heute noch ,er ist und er war für mich ein Held.

( März 2004)
Mich plagte eine Darmentzündung und leider Gottes musste ich ins Krankenhaus eingewiesen werden.
Es war das gleiche Krankenhaus wie früher.
Station 11
Ich erholte mich dank der Antibiotika Infusionen ziemlich schnell und wie damals war ich auch heute noch Raucher.
Nur leider hatte sich nach all diesen Jahren etwas zum Nachteil verändert!
" Es gab keine Raucherzimmer mehr"
So schnappte ich mir Zigaretten und Feuerzeug und war auf dem Weg zum Balkon.
An mir vorbei, lief ein Mann mit langen Haar , wehendem Kittel und bunten Socken.
Wir sahen uns in die Augen und ich blieb stehen.
" Herr Doktor rauchen Sie noch?"
Er sah mich an, öffnete seine Arme und schloss sie um mich.
Irgendwie magisch, dass er mich nach all den Jahren wieder erkannte, aber Helden vergessen ihre geretteten nur selten.
So gingen wir zusammen auf den Balkon und rauchten und quatschten und tranken Kaffee.









Samstag, 20. Juni 2015

Von blinden Hühnern und Körnern 6.2

Von Blinden die auch mal ein Korn und so....

Der Postbote kam morgens zur Tür rein und hatte einen Brief für mich in der Hand.
Zum Glück war ich in diesem Moment anwesend,denn sonst hätte mich dieser Brief wahrscheinlich nie erreicht.
Es war eine Zusage.
Ausbildung zur Bäckerei Fachverkäuferin.
Ich konnte mein Glück kaum fassen.
Endlich wenigstens für ein paar Stunden raus aus diesem Haus.
Die ersten Wochen lief eigentlich auch alles gut.
Ich war zwar müde durch die Doppelbelastung und durch den ständigen Stress in der Nacht ,aber ich hab's irgendwie immer wieder geschafft den Dienst hinter mich zu bringen.Es war meine Zukunft um die es nun ging.
Mein Ausweg aus dieser Hölle.
Ich versuchte immer mehr zu geben als andere um nicht auf mich aufmerksam zu machen.
Nur leider ließen mein Kräfte nach und die einfachsten Dinge wurden zur Hürde.
Es war wieder einer dieser Nächte. Vater betrunken der Kühler Osten ebenfalls.Jede Menge Streit und dieser Hotelgast mitten in der Nacht vor meinen Augen.Er wurde durch die lauten Schreie geweckt und fand so seinen Weg in unsere Privatwohnung.
Er fragte mich ob alles in Ordnung sei,und brav nickte ich fleißig mit dem Kopf.
Vater verlangte,er solle die Wohnung verlassen und wieder in sein Hotelzimmer zurück kehren und dies tat er dann auch.
Als ich morgens mit dem Bus zur Arbeit fuhr, war ich völlig entkräftet.
Ich war unglaublich müde fühle mich schwach und voller Angst.
Beim aussteigen aus dem Bus wurde mir schwindlig.Ich stützte  mich gegen den haltenden  Bus um nicht umzufallen,was mir auch gelang.
Auf der Arbeit angekommen,sollte ich die Tisch und Bänke mit warmen Wasser abwaschen.
Also schnappte ich mir einen Eimer füllte diesen mit Wasser und Spüli und begann zu wischen.
Wieder dieser Schwindel.Alles drehte sich um mich herum. Ich schnappte nach Luft immer tiefer und immer tiefer nach Luft.Es war als würde ich ersticken.
Ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten und japste immer weiter nach Luft.Bis ich schließlich das Bewusstsein verlor.
Ich wünschte mir in diesem Moment einfach nur noch eines! Endlich zu sterben!!!
Fort von dieser grausamen schrecklichen Welt.
Nur leider ,wie so oft ist das Leben kein Märchenfilm.
Meine Chefin rief den Notarzt.
In der Notaufnahme schrieb man ein EKG,kontrollierte den Blutdruck nahm mir Blut ab und man versuchte eins und das immer wieder.
Mit mir zu reden.
Ich wollte nicht mehr, wollte nie mehr reden,wollte einfach nicht mehr da sein verschwinden von dieser Welt.Alles ausblenden.
So schwiege ich und verweigerte jedes Essen.
Heute im Nachhinein muss ich sagen ,dass mein behandelnder Arzt wirklich eine wahre Wonne war.
Er kam sehr sehr oft zu mir.Setzte sich an mein Bett und war voller Geduld. Er redete mit mir,erzählte mir Geschichten und versuchte immer wieder mich zum reden zu bringen, aber ich schwieg.
Er nahm sogar sein Mittagessen in meinem Zimmer zu sich und schwärmte über die gute Küche.
Es gab Ravioli an diesem Tag.
Er deckte mein Tablett auf,sein Tablett auf und fing an zu essen.
Am fünften Tag hatte er mich dann soweit.
Er setzte sich an mein Bett zog seine Hose ein wenig hoch und zum Vorschein kam ,eine rote Socke links und eine grüne Socke rechts.
Ich musste schmunzeln.
Er schaute so komisch,dass er mich sogar zum Lachen brachte.
Und mit dem Lachen kamen die ersten Worte.


Mittwoch, 17. Juni 2015

6.1 Heimatglück

Ich wurde verlegt in ein kleines Zweibettzimmer mit Balkon. Meine Mitbewohnerin war eine 86-jährige alte Dame mit schlechtem Gesundheitszustand.Anfangs war ich ihr gegenüber sehr verhalten, aber schon nach kurzer Zeit änderte sich dies. Durch ihr flehen ihr ein Glas Wasser zu reichen, beim Aufsitzen im Bett zu helfen, beim Toilettengang behilflich zu sein und das anreichen der Mahlzeiten ließ uns einander näher kommen.
Ihre Dankbarkeit darüber, dass ich bei jedem kleinen Wort sofort an ihrem Bett stand,waren ein streicheln über meine Wange, ein halten meiner Hand, ein leise geflüstertes  Dankeschön. Es reichte aus um mein Herz mit Wärme zu füllen. Ich durfte sie sogar beim Gang zum Zahnarzt begleiten,denn sie bestand ganz einfach darauf.
So wurden wir morgens von den Sanitätern abgeholt in den Krankenwagen gebracht und ab zum Zahnarzt. Durch ihre Zahnoperation hat sie in der Nacht sehr sehr viel Blut verloren und es stand sehr kritisch um sie.
Meine Aufgabe in dieser Nacht war es,der Bluttransfusion nach zu sehen wie sie langsam durch den Schlauch in ihren Körper floss.
So saß ich also nachts am Bett,ihre Hand haltend und meine Augen auf die Transfusion gerichtet.
Gegen morgen war der letzte Tropfen geflossen und ich durfte die Klingel betätigen um die Schwester zu rufen.
Dass ich mich auf dieser Station der Beliebtheit der Schwestern erfreute,
 muss ich glaub ich nicht nebenbei erwähnen.
Ich hatte eine Aufgabe und ich hatte einen Menschen an meiner Seite,der mich brauchte.
Einen Menschen der morgens ,wenn er seine Augen öffnete und in mein Gesicht sah , strahlte.
Ich vergaß all die Schmerzen und all die Sorgen die ich hinter mir hatte und die mir bestimmt noch bevorstanden.
Gerne hätte ich Ewigkeiten in diesem Krankenhaus mit dieser alten Frau zusammengelebt.
Gerne hätte ich ihr mein Leben und meine Zukunft geschenkt und ihre verbessert.
Nur leider ist das Leben kein Märchenbuch. Bei der morgendlichen Visite eröffnete mir der Arzt, dass es nun an der Zeit sei mich wieder zu entlassen.
Nach Hause.
Es gab kaum einen Moment in meinem Leben in dem ich mich mehr gefürchtet habe wie in diesem Moment.
Ich packe meine Sachen zusammen suchte meine Buskarte raus verabschiedete mich bei meiner Familie.Meiner lieben alten Oma.
Es war unser letzter Abschied.
Als ich zu Hause war, schlug mein Herz bis in den Kopf hinein. Ich öffnete die Tür trat hinein.
Einige Gäste saßen an den Tischen und aßen zu Mittag.
Der kühle Osten!
"Na schau mal einer an, ist die kleine Nutte wieder zu Hause?"
"Wenn wir gewusst hätten das du dir das Leben nehmen möchtest, dann hätten wir dafür gesorgt dass du die richtigen Medikamente genommen hättest.Selbst dafür bist du zu blöd."
Willkommen zurück im Leben.


Mittwoch, 5. November 2014

Loslassen 6.0

Vater wurde durch das Krankenhaus informiert.
Er kam umgehend um mit dem behandelnden Arzt zu sprechen.
Schließlich war es seine Pflicht, dem Krankenhauspersonal zu erklären wie  schwierig der Umgang mit mir wäre.
Das ich über den Tod meiner Mutter nicht hinweg komme.
Ich seine neue Lebensgefährtin nicht leiden könne.
Was er verschwieg war,das sie Türen versperren, Kühlschränke mit Vorhängeschlössern versahen und mich Nacht für Nacht in ihr Leben mit einbezogen,ob ich wollte oder nicht.
Ebenfalls verschwieg er den Sektkorken, der nach Mutters Tod knallte und das Lachen aus dem Nebenzimmer.
Er täuschte Sorge vor und meinte,das er mich eine Zeit zu meiner Tante fahren lasse.
Mutters Schwester.Was natürlich auch nicht stimmte,aber es klang gut und schließlich hatte er den Sieg über mein Leben schon in der Tasche bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte.
Als ich von der Intensivstation auf die normale verlegt wurde bekam ich Besuch von einer Psychologin.
Sie war gut vorbereitet und ihre Meinung stand ohne mein Zutun schon fest.
Trauerarbeit war ihr großes Thema Nummer eins.
Von meinen Andeutungen ließ sie sich nicht aus dem Konzept bringen.
Ihr tat Vater leid und ich sollte loslassen lernen um mich dem neuen Leben zuzuwenden.
Das tat ich dann auch.
Ich ließ los von der Hoffnung auf Hilfe.

Die Nonne sah ich nicht mehr

Montag, 3. November 2014

5.9

Es war nur noch eines was ich fühlte.
Große Angst.
So sah ich sie lachend an unseren Gräbern. Feiernd in ihrem neuen zu Hause ohne lästigen Ballast. Es war Frieden den ich suchte.
Hoffnung auf einen schnellen schmerzfreien Tod , aber es gelang mir nicht.
Halb benommen schleppte ich mich zum Telefon und schämte mich für mein Versagen.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis der Notarzt da war.
Eine Ewigkeit in der ich meinem Leben,wie einem Film folgte.
Ich suchte nach den schönen Momenten,aber ich konnte sie nicht halten.
Eure Schatten waren zu präsent und verdrängten die wenigen schönen Augenblicke, als du noch Vater warst und mich als dein Kind gesehen hast.
Die Momente, als wir Familie waren und ich morgens ohne Angst vor dem nächsten Tag voller Vertrauen mein Kind sein lebte.
Du hast mir meine Kindheit geraubt.
Meinen Alltag zum Altar der Angst gemacht.
Als ich die Augen öffnete lag ich im Krankenhaus.
Das piepsen der Geräte füllte den Raum mit Klang .
Ich sah in die Augen einer Nonne die mit gütig liebevollem Blick an meinem Bett saß.
Sie berührte zart meine Hand und lächelte. Kind, was machst du nur für Sachen waren ihre warmen Worte.
Zum ersten mal seit langer Zeit spürte ich ehrliche wärme.

                                                   Es war ein schönes Gefühl.

Dienstag, 20. Mai 2014

Obstbrand mit bunten Freuden 5.8

Es war an einem Mittwoch.
Die Firma geschlossen und Vater mit dem kühlen Osten auf Shoppingtour.
Er war ihr gegenüber äußerst spendabel.

Brachte damals meine Mutter einen neuen Pullover nach Hause, musste sie die Tüte erst einmal sicher verstecken um nicht erwischt zu werden.
Sie zog ihn erst Wochen später an, aber es gab jedes Mal einen Riesen Zirkus wegen 29,50 DM.

Ich konnte sicher sein, dass sie vor dem Abend nicht zurück sein würden, denn nach ihrem ausgiebigen Einkauf gingen sie am Abend immer noch  in ein schickes Lokal um den Tag gemütlich zum Ausklang zu bringen.

Genug Zeit also um dem Leben den Rücken zu kehren und den Weg ins Glück zu verwirklichen.
Es brauchte nicht mehr als ein großes Glas hochprozentigem klaren Obstbrand und die großen und kleinen Schachteln bunter Freuden  aus Vaters Schlafzimmer.
Ich knipste sie aus dem Lagen heraus und der kleine bunte Haufen wurde immer größer.
Doch je weiter sie sich vor meinen Augen türmten, desto mehr schwand mein Gefühl von Freude und räumte der Angst ihren Platz.

Es war doch die Lösung!
Die einzig richtige.
Die in der ich meine Hoffnung begraben hatte.
Wieso nur plötzlich dieses Gefühl von lähmender Angst?
Wieso trug mich die Welle des Glücks nicht weiter?

Ein Schluck Obstbrand würde sicher bei der Klärung meines Gefühls Chaos helfen.
So nahm ich einen großen Schluck von der Mut bringen Flüssigkeit aus meinem großen Glas auf und wartete.
In der Hoffnung aufkeimende Unsicherheit in mir zu bändigen.
Leicht benommen griff ich zu.
Mit meiner Hand in den bunten Haufen  Hoffnung.
Noch einen großen Schluck von bitterem Mut.
Er floss die Kehle hinunter dem Glück hinterher.

Ich war noch sehr jung!
Glaubte irgendwie noch an Märchen,
aber es war kein Prinz in Sicht .
Nur mein starkes inneres, dass mich flehte Vernunft anzunehmen.
Es zeigte mir Bilder der Zukunft.
Zwei Menschen an meinem Grab die tief betroffen wirkten.
Andere die Ihnen Ihr tiefes Mitleid Kunden.
Später ,wenn niemand hinschaut und keiner zuhört, da sah ich Sie lachen und glücklich tanzen.
Ein Sektkorken knallt.
Genau wie damals.
Es wurde angestoßen, auf das was sie geschafft hatten.

Montag, 19. Mai 2014

Ganz nah am Ende 5.7

War es Verdacht oder Wahrheit?
Welche Chance hatte ich denn?
Warten bis mir das gleiche widerfährt, oder doch lieber gleich das eigene Leben in die Hand nehmen und für einen schmerzfreien einsamen Tod sorgen.
Ein Sterben ganz für mich alleine.
Ohne lachende Zuschauer die anschließend sich die Schulter klopfen und mit stolz erfüllter Brust sagen, das haben wir gemeinsam geschafft.
Welche Möglichkeiten gab es denn?
Fortlaufend?
Nur wohin denn!
Bleiben und abwarten?
Es gab in diesem Moment nur einen Weg der mir richtig erschien.
Ja, der mich sogar je länger ich darüber nachdachte ruhig und glücklich stimmte.
Es war wie eine Hoffnung, wie die Vorfreude  auf einen lang ersehnten Frieden.
Mein Tatwerkzeug lag in Vaters Schlafzimmer.
Dort in seiner Nachttischschublade lagen alle möglichen Medikamente.
Blutdrucksenkende Mittel, Schmerztabletten, Schlaftabletten also alles was man so für den Weg der Hoffnung auf Glück braucht.
Leider nur schloss er jeden Morgen sein Zimmer ab, aber ich war mir sicher, dass er es irgendwann einmal vergessen würde.
Wenn dann auf der Türe der silberne Schlüssel zum Glück glänzte, wäre meine Zeit gekommen. In der ich nur noch zugreifen müsste. Nach meinem neuen Weg des Lebens.

Es vergingen zwei Wochen, dann war es endlich soweit.
Der Schlüssel blinkte mich mit einem freudigen Willkommensgruß an.
Ein Lächeln umspielt meine Lippen und mit zittriger Hand drückte ich die Klinke nach unten.
Jeden Schritt den meine Füße traten, jede Bewegung meiner Hände führte mich dem Glück ein wenig näher.
Schnell nahm ich die Schachteln aus der Schublade und eilte damit zurück in mein Zimmer.
Ich bewunderte sie, wie meinen größten Schatz.
Konnte mein Glück kaum fassen.

Noch nicht!

Ein wenig länger noch wollte ich kosten an dem schönen Gefühl, der Freude und der Hoffnung die nun vor mir lag.
Zum ersten Mal nach Mutters Tod war ich glücklich und fühlte mich nicht einsam.